Die NRW-Stiftung übernimmt die Drover Heide — dauerhafter Naturschutz ab 2016
Im April 2016 übernahm die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege 636,86 Hektar der Drover Heide aus Bundesbesitz. Der Eigentümerwechsel sichert das Naturschutzgebiet dauerhaft ab — und schuf die Grundlage für den Abriss der Raketenstation Thum 2019.
16. Mai 2026 · Aktualisiert: 16. Mai 2026
Im April 2016 änderte sich der Rechtstitel über die Drover Heide grundlegend. Nach zwölf Jahren als Bundeseigentum unter Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) wechselte die Fläche in das Eigentum einer gemeinnützigen Stiftung — der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. 636,86 Hektar ehemaliger Truppenübungsplatz gehören seither einer Organisation, deren Satzung den dauerhaften Schutz des Naturerbes als Kern ihrer Arbeit verankert. Für die Drover Heide war das ein Wendepunkt.
Was ist die NRW-Stiftung?
Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege — kurz NRW-Stiftung — ist eine vom Landtag Nordrhein-Westfalen getragene gemeinnützige Stiftung. Ihre Aufgaben sind im Namen enthalten: Naturschutz einerseits, Heimat- und Kulturpflege andererseits. Die Stiftung fördert lokale Initiativen, Naturschutzprojekte und Kulturdenkmäler — und erwirbt selbst Flächen, um diese dauerhaft dem Naturschutz zu sichern.
Finanziert wird die Stiftung hauptsächlich aus Lotteriemitteln: Die Abgeordneten des NRW-Landtags stellen der Stiftung über Westlotto Mittel aus dem Landeshaushalt zur Verfügung. Dazu kommen Beiträge des Fördervereins, Partner aus Verbänden, Kommunen und Ministerien sowie Kooperationen mit anderen Stiftungen. Im Geschäftsjahr 2019 beschloss der Stiftungsvorstand 82 Projektförderungen mit einem Gesamtvolumen von 7,9 Millionen Euro.
Bis 2019 befanden sich 6.267 Hektar Flächen — verteilt auf mehr als 100 Liegenschaften und 20 überwiegend denkmalgeschützte Gebäude — im Eigentum der NRW-Stiftung. Die Stiftung verwaltet diese Flächen nicht allein: Sie arbeitet mit lokalen Partnern zusammen, in der Regel Biologischen Stationen, Naturschutzverbänden und ehrenamtlichen Initiativen, die die Betreuung vor Ort übernehmen.
Das Nationale Naturerbe
Nach dem Ende des belgischen Militärbetriebs 2004 fiel die Drover Heide zunächst an den Bund zurück. Die BIMA übernahm als Treuhänder des Bundeseigentums die formale Eigentümerschaft — ein Übergangszustand, der für Naturschutzgebiete keine ideale Lösung ist. Bundesbehörden sind keine Naturschutzorganisationen; ihre Prioritäten und Verwaltungsstrukturen sind auf andere Aufgaben ausgerichtet.
Die Bundesregierung hatte mit dem Nationalen Naturerbe (NNE) ein Programm geschaffen, das für genau diese Situation vorgesehen war: Flächen, die durch den Abzug von Militär oder die Auflösung ehemaliger Treuhandgesellschaften frei wurden und besonders naturschutzwürdig sind, sollten dauerhaft der wirtschaftlichen Nutzung entzogen und an geeignete Organisationen übertragen werden. Die Drover Heide wurde als NNE-Fläche eingestuft.
Die Ausweisung als NNE-Fläche verhindert Verkäufe an private Investoren und sichert den Naturschutzstatus rechtlich ab. Der nächste Schritt war die Übertragung an eine dauerhaft naturschutzorientierte Organisation — und hier kam die NRW-Stiftung ins Spiel.
April 2016 — Die Drover Heide wechselt den Eigentümer
Im April 2016 übernahm die NRW-Stiftung 636,86 Hektar der Drover Heide von der BIMA. Die Fläche umfasst den Kernbereich des Naturschutzgebiets. Das gesamte NSG Drover Heide ist in den Landschaftsplänen Vettweiß und Kreuzau-Nideggen mit rund 670 Hektar festgesetzt; ein kleiner Teil liegt außerhalb des Stiftungseigentums.
Die Drover Heide wurde damit Teil des NRW-Stiftungs-Portfolios — als eine der größten Einzelliegenschaften, die die Stiftung bis dahin erworben hatte. Das Gebiet wurde in der Öffentlichkeit als „Heide-Kleinod” beschrieben, wie der NRW-Stiftungs-Jahresbericht 2019 titelt: ein Kleinod, das zugleich Erweiterungspotenzial bietet.
Was ändert sich für das Schutzgebiet?
Die Biostation im Kreis Düren e.V. behielt ihre Rolle als fachliche Betreuerin des Schutzgebiets unverändert bei. Besucher, Wege und Informationstafeln blieben wie gewohnt. Die Veränderung war juristischer und struktureller Natur — aber mit konkreten Folgen.
Drei wesentliche Unterschiede gegenüber dem Bundeseigentum unter BIMA:
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Kein Verkaufsrisiko mehr. Die NRW-Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation; ihre Satzung schließt eine Privatisierung oder gewerbliche Verwertung der Flächen aus. Das Schutzgebiet ist dauerhaft gesichert.
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Organisatorische Ausrichtung. Als Naturschutzstiftung ist die NRW-Stiftung institutionell darauf ausgerichtet, Naturschutzinteressen zu vertreten. Entscheidungen über die Fläche werden mit naturschutzfachlichem Blick getroffen — nicht nach Verwaltungsprioritäten einer Bundesbehörde.
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Investitionsfähigkeit für Naturschutzmaßnahmen. Als Eigentümerin kann die Stiftung Investitionen auf der Fläche beauftragen und finanzieren. Das erwies sich weniger als drei Jahre nach der Übernahme als entscheidend.
Der erste große Schritt: Die Raketenstation muss fallen
Das Gelände der ehemaligen Nike-Raketenstation Thum lag innerhalb des Naturschutzgebiets wie ein Fremdkörper: verfallendes Mauerwerk, Wachtürme, Betonflächen und Zäune — unzugänglich, ungenutzt, aber auch unbeseitigt. Jahrzehntelang war die Frage, wer für den Abriss zuständig ist und wer ihn bezahlt, ungeklärt.
Als Eigentümerin des Geländes war nun die NRW-Stiftung in der Pflicht. Sie beauftragte den Abriss: Im Januar 2019 begannen auf dem 1,3 Hektar großen bebauten Gelände die Abbrucharbeiten. Mehr als 20 Gebäude und der markante Wachturm wurden beseitigt. Drei Personenschutzbunker blieben erhalten — als Winterquartier für Fledermäuse, gefüllt mit Steinquadern.
Das Gelände wurde anschließend entzäunt und dem Naturschutzgebiet wieder zugeschlagen. Die NRW-Stiftung hatte das getan, was mehr als drei Jahrzehnte nicht gelungen war: den letzten sichtbaren Rest des Kalten Krieges von der Drover Heide zu entfernen.
→ Ausführlicher Artikel: Der Abriss der Raketenstation Thum 2019
Heide-Kleinod mit Erweiterungspotenzial
Der NRW-Stiftungs-Jahresbericht 2019 bezeichnete die Drover Heide als „Heide-Kleinod mit Erweiterungspotenzial” — ein Hinweis darauf, dass die Stiftung das Gebiet nicht als statisch betrachtet. Die Integration des Raketenstation-Geländes in das NSG nach dem Abriss ist ein Beispiel für dieses Potenzial: Flächen, die bisher durch Zäune und Bebauung dem Naturschutz entzogen waren, kehren in das Schutzgebiet zurück.
Ob weitere Erweiterungen folgen — etwa durch Arrondierungen an den Rändern des Schutzgebiets — liegt im Ermessen der NRW-Stiftung und der zuständigen Naturschutzbehörden. Das Modell jedenfalls hat sich bewährt: Die Drover Heide ist heute eine der artenreichsten Heideflächen in NRW, betreut von einer Biologischen Station, gesichert durch eine Naturschutzstiftung, und zugänglich für Besucher auf markierten Wegen.