Die Biologische Station Düren — Wächter der Drover Heide seit 1999
Seit 1999 betreut die Biologische Station im Kreis Düren e.V. das Schutzgebiet Drover Heide — zunächst im Auftrag des Bundes, heute im Dienst der NRW-Stiftung. Kartierung, Monitoring, Wegekonzept und Pflegekoordination: ein Porträt der zentralen Schutzgebietsinstitution.
16. Mai 2026
Die Drover Heide gehört heute zu den naturschutzfachlich am intensivsten betreuten Flächen in NRW. Das ist kein Zufall: Seit 1999 ist die Biologische Station im Kreis Düren e.V. die zentrale fachliche Instanz des Schutzgebiets — zunächst noch während der belgischen Militärnutzung, später beim Aufbau des Besuchersystems und heute bei der laufenden Landschaftspflege.
Was ist eine Biologische Station?
Biologische Stationen sind eine Erfindung des nordrhein-westfälischen Naturschutzes. Das Land NRW unterhält ein flächendeckendes Netz solcher Einrichtungen, die als Schnittstelle zwischen Behörden, Landnutzern und ehrenamtlichem Naturschutz arbeiten. Sie erfassen Arten und Lebensräume, entwickeln Pflegekonzepte, beraten Landwirte im Vertragsnaturschutz und führen Umweltbildung durch — ein Ansatz, der wissenschaftliche Expertise mit praktischer Bodenarbeit verbindet.
Rechtliche Grundlage der Stationsarbeit ist seit 2005 die Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW (FÖBS): Das Land NRW trägt 80 % der Grundfinanzierung, der Kreis Düren 20 %. Die andere Hälfte des Haushalts wird durch Projektmittel eingeworben — EU-Förderprogramme (Interreg, LIFE+), Bundesamt für Naturschutz (BfN), Landschaftsverband Rheinland (LVR) und verschiedene Umweltstiftungen.
Gründung und Sitz
Die Biologische Station im Kreis Düren e.V. wurde 1997 als gemeinnütziger Verein gegründet. Der Trägerverein vereint Mitglieder aus Naturschutzverbänden, Land- und Forstwirtschaft sowie dem amtlichen Naturschutz. Seit Herbst 1999 hat die Station ihren Sitz im alten Bahnhofsgebäude in Nideggen-Brück im Rurtal (Zerkaller Straße 5).
Der Kreis Düren — mit seiner Bördelandschaft im Norden und der Eifel im Süden — bietet ein ungewöhnlich breites Spektrum an Naturräumen. Die Biostation betreut entsprechend unterschiedliche Schutzgebiete: von feuchten Rurauen bis zu trockenen Heideflächen.
Betreuung der Drover Heide ab 1999
Der Einstieg in die Betreuung der Drover Heide war bemerkenswert früh: 1999, fünf Jahre vor dem Ende der belgischen Militärnutzung, beauftragte die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BIMA) die Biostation, das Schutzgebiet naturschutzfachlich zu begleiten — gemeinsam mit der Bundesforst und im Einvernehmen mit der Unteren Landschaftsbehörde Düren.
Das bedeutete: Erstmals konnten Biologen das Areal systematisch begehen, auch wenn der Übungsbetrieb noch lief. Diese frühen Jahre waren die Grundlage für alles Folgende.
Ersterfassung unter erschwerten Bedingungen
Die Kartierung der Flora und Fauna in einem aktiven Militärgelände stellte besondere Anforderungen. Zugang war nur in Abstimmung mit der belgischen Garnison möglich. Dennoch entstand in dieser Zeit eine erstmals vollständige Übersicht über:
- Gefäßpflanzen — 460 Farn- und Blütenpflanzenarten wurden nachgewiesen, darunter mehrere Rote-Liste-Arten
- Vogelwelt — über 130 Arten, davon 12 gefährdete Brut- und 25 gefährdete Gastvogelarten
- Amphibien — Kreuzkröte (Bufo calamita), Laubfrosch (Hyla arborea), Kammmolch (Triturus cristatus) in den über 600 Panzerspurtümpeln
- Libellen — 21 Arten in den Feuchtbiotopen
- Heuschrecken und Tagfalter — 17 bzw. 38 Arten
Diese Erfassung belegte: Die Drover Heide ist kein gewöhnliches Militärgelände, sondern eines der artenreichsten Schutzgebiete in NRW. Das Kreisjahrbuch 2007 der Biostation hält fest, dass „gerade die Nutzung als Panzerplatz die Initiale für die Entwicklung außergewöhnlicher und hoch-dynamischer Lebensräume” war — ein Befund, der die gesamte Schutzstrategie prägte.
Grundlage für den Schutzstatus 2005
Die Daten aus den Kartierungen der Jahre 1999–2004 flossen direkt in die Schutzgebietsausweisung ein. Als der Kreis Düren 2005 die Drover Heide in den Landschaftsplänen Vettweiß und Kreuzau-Nideggen als Naturschutzgebiet (670 ha) festsetzte und die Ausweisung als FFH-Gebiet (DE-5205-301) sowie EU-Vogelschutzgebiet (DE-5205-401) vollzog, basierte die Schutzwürdigkeit auf dem, was die Biostation dokumentiert hatte.
Das Wegekonzept 2005
Nach dem Abzug der Belgier Ende 2004 stellte sich die Frage der öffentlichen Zugänglichkeit. Die Biostation war Teil der Wegefindungskommission, der auch Vertreter der Gemeinden Kreuzau und Vettweiß, des Kreises Düren und des Eigentümers angehörten. Ein unabhängiges Gutachterbüro prüfte die vorgeschlagenen Trassen auf FFH-Verträglichkeit.
Das Ergebnis: Im November 2005 öffnete die Drover Heide erstmals für die Öffentlichkeit. An neun Zuwegungen wurden großformatige Informationstafeln aufgestellt; Sitzbänke, Waldpilze als Unterstandsmöglichkeiten und Bohlenwege über feuchte Bereiche folgten. Die zentrale Querung (Weg A1) durch den Zentralbereich ist nur außerhalb der Ziegenmelker-Brutzeit zugänglich — eine Regelung, die die Biostation fachlich begründet und bis heute kommuniziert.
Laufende Aufgaben heute
Seit 2016 ist die NRW-Stiftung Eigentümerin der Drover Heide (636,86 ha). Die Biostation bleibt naturschutzfachliche Betreuerin — ihre Arbeit hat sich dabei von der Ersterfassung zur kontinuierlichen Pflege gewandelt:
- Monitoring: Regelmäßige Kontrolle der Populationen von Ziegenmelker, Heidelerche, Amphibien und anderen Zielarten
- Pflegekoordination: Abstimmung von Beweidung, kontrolliertem Brennen und mechanischer Entbuschung mit den beauftragten Landwirten
- Besucherlenkung: Kommunikation des Wegegebots, Hinweis auf Kampfmittelgefahr außerhalb der Wege
- Öffentlichkeitsarbeit: Exkursionen, Führungen, Bildungsangebote
Die Biostation ist damit nicht nur Dokumentationsinstanz, sondern operative Schaltstelle zwischen Schutzgebietsrecht, Grundeigentümer, Landnutzern und Besuchern.