Fauna
Lebensadern im sandigen Boden: Tauchen Sie ein in ein artenreiches Paradies von Bodenbrütern, seltenen Amphibienkolonien der Panzergewässer bis hin zu schwebenden Großschmetterlingsschwärmen.
Fauna der Drover Heide — Artenreichtum in einem ehemaligen Truppenübungsgelände
Im Frühjahr 1979 untersuchten Sinsch, Sommersberg und Neumann in der südlichen Drover Heide 129 Kleingewässer und protokollierten dabei 11 der 19 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten — alle vier Molcharten, vier Froscharten, zwei Krötenarten sowie die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans). Hinzu kamen Hinweise auf Laubfrosch (Hyla arborea) und Gelbbauchunke (Bombina variegata). Das war 1979 der erste systematische Nachweis dieser Artenvielfalt an einem bis dahin faunistisch weitgehend unbekannten Ort. [1]
Seither haben weitere Inventarisierungen das Bild ergänzt. Vorbrüggen und Viehmann erfassten zwischen 1981 und 1984 insgesamt 417 Großschmetterlingsarten (Makrolepidoptera). [3] Meyer und Dettner fanden 1978/79 in neun Kleingewässern 60 Wasserkäferarten mit 10.643 Individuen. [2] Die Biologische Station nennt im Kreisjahrbuch 2007 über 130 Vogelarten, darunter mehr als 30 Brutpaare des Ziegenmelkers (Caprimulgus europaeus). [4] Die Drover Heide war faunistisch nie vollständig untersucht — aber die vorliegenden Studien sind kohärent in ihrer Aussage: Das Gebiet ist ein Refugium für Arten, die auf spezialisierte Standortbedingungen angewiesen sind.
Die Kleingewässer als ökologischer Kern
Was die Amphibien- und Insektenfauna der Drover Heide prägt, sind die weit über 600 Kleingewässer im Gebiet. Sinsch et al. (1980) beschreiben sie im Detail: Die Tümpel liegen überwiegend in Panzerfahrspuren und Waldschneisen; ihre Fläche liegt im Frühjahr vielfach zwischen 30 und 300 m², die Tiefe gelegentlich bei bis zu 0,5 m. Von vegetationslosen Pfützen über bewachsene Tümpel bis zu fast völlig verlandeten Gewässern waren sämtliche Sukzessionsstufen vorhanden. [1]
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Das Besondere dieser Gewässer ist hydrologisch erklärbar. Meyer und Dettner (1981) weisen darauf hin, dass Eisen- und Manganverbindungen aus fossilen Bodenbildungen im Hauptterrassenschotter eine natürliche Stauschicht bilden. Dadurch führen Mulden und ausgefahrene Wege in den meisten Monaten Wasser, manche perennierend. Meyer und Dettner formulierten 1981: Die Drover Heide stelle „eine im Kreise Düren einmalige Häufung von naturbelassenen Kleingewässern auf engstem Raume dar.” Die flachen Heidegewässer — 15 bis 30 m² groß, maximal 30 cm tief — erwärmen sich im Frühjahr schnell und erreichen Wassertemperaturen von 14,5 bis 15,4 °C, etwas höher als die schattigen Waldtümpel desselben Gebiets. [2]
Amphibien
Alle vier mitteleuropäischen Molcharten kommen in der Drover Heide vor. Sinsch et al. (1980) erfassten entlang eines 960 Meter langen Fangzauns — einer 30 cm hohen Plastikfolie mit Fangeimern alle 20 Meter — zwischen dem 12. März und dem 17. April 1979 täglich alle durchwandernden Tiere. Am Zaun wurden Bergmolch (Triturus alpestris) und Teichmolch (Triturus vulgaris) mit Abstand am häufigsten registriert: 534 Bergmolche und 411 Teichmolche. [1]
Der Fadenmolch (Triturus helveticus) fand sich in einem Cluster von acht eng benachbarten Tümpeln auf etwa einem Hektar, mit einem Bestand von schätzungsweise über 200 adulten Tieren. Der Kammolch (Triturus cristatus) war mit nur 31 Individuen am Zaun die seltenste Molchart, mit drei weiteren Laichgewässerfunden im nördlichen Teil des Gebiets. Als Anhang-II-Art der FFH-Richtlinie ist er im Natura-2000-Kontext besonders relevant. [1][7]
Die Erdkröte (Bufo bufo) präsentierte in der südlichen Drover Heide eine auffällig veränderte Populationsstruktur: Das Geschlechterverhältnis lag bei 1:4 (Männchen zu Weibchen), und Messungen an 93 Weibchen belegten eine deutliche Überalterung — nur ein Tier maß weniger als 6 cm, der Großteil war 70 bis 95 mm lang, was bei vorsichtiger Schätzung einem Alter von über sechs Jahren entspricht. Sinsch et al. (1980) führten diese Anomalie auf eine mehrere Jahre zurückliegende Entwässerungsmaßnahme im südlichen Gebiet zurück, die Nachwuchsjahrgänge über längere Zeit verhindert hatte. [1]
Großschmetterlinge
Vorbrüggen und Viehmann (1987) untersuchten die Makrolepidoptera-Fauna der Drover Heide zwischen 1981 und 1984 mit Tagnetzmethode und Lichtfalle. Ihr Ergebnis: 417 Arten in vier Jahren, davon 28 Tagfalterarten, 84 Spinner und Schwärmer, 168 Eulenfalter und 137 Spanner. Von diesen 417 Arten standen 102 Arten — entspricht 24,5 % — auf den Roten Listen von NRW oder der Bundesrepublik. Davon galten zwei als vom Aussterben bedroht, 35 als stark gefährdet und 61 als gefährdet. [3]
Vorbrüggen und Viehmann ordnen die wichtigsten Arten den Pflanzengesellschaften zu, in denen sie vorkommen: Hipparchia semele (Rostbinde) und Apatura iris (Großer Schillerfalter) in der Calluna-Heide und an Waldrändern; lichtbedürftige Spannerarten in den nährstoffarmen Gewässerrändern. Besonders hervorgehoben werden die stark gefährdeten Pflanzengesellschaften Pilularietum globuliferae und Cicendietum filiformis als Lebensraum für spezialisierte Falterarten. [3]
Wasserkäfer
Meyer und Dettner (1981) sammelten in neun Kleingewässern — darunter vier flachgründige Heidegewässer, mehrere Waldtümpel und größere Tümpel — insgesamt 10.643 Individuen aus 60 Wasserkäferarten. Die Artengemeinschaften unterschieden sich deutlich je nach Wasserchemismus, Pflanzenbewuchs, pH-Wert und organischem Gehalt. Für die aquatischen Käfer des Gebiets ermittelten Meyer und Dettner ein zweigipfliges Phänologiemuster mit Frühjahrs- und Herbstmaximum. Einige Arten überstehen die Sommertrockenheit durch Eingraben im Sediment. [2]
Vogelwelt
Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) hat in der Drover Heide eine der bedeutendsten Brutpopulationen in NRW. Die Biostation nennt im Kreisjahrbuch 2007 mehr als 30 Brutpaare. Der nachtaktive Vogel braucht großflächige, störungsarme Offenbereiche mit niedriger Vegetation — und nutzt die heidetypische Insektenfauna als Nahrungsgrundlage. Heidelerche (Lullula arborea), Neuntöter (Lanius collurio) und Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) kommen in der Drover Heide ebenfalls als Brutvögel vor und gelten als charakteristisch für strukturreiche Offenlandbiotope mit Hecken und Gebüschsäumen. [4]
Urzeitkrebse
In den kurzlebigen, periodisch austrocknenden Tümpeln kommen mit Sommerschildkrebs (Triops cancriformis) und Feenkrebs (Branchipus schaefferi) zwei Arten vor, die in Mitteleuropa heute fast ausschließlich auf ehemaligen Truppenübungsplätzen zu finden sind. Ihre Dauereier überstehen Trockenphasen im Sediment; bei erneuter Überflutung schlüpfen sie und schließen ihren Lebenszyklus in wenigen Wochen ab. Dieser Anpassung entspricht genau die hydrologische Dynamik der Drover Heide: viele kleine, flache Gewässer mit wechselndem Wasserstand. [4]
Pflege und Bestand
Der dokumentierte Artenreichtum ist an das Offenhalten der Landschaft gebunden. Verlanden Tümpel durch Schilf oder Gehölze, verlieren sie ihre Funktion für Amphibien, Libellen und Urzeitkrebse. Schließt sich die Vegetation über offenen Heidekämmen, fehlen Lebensräume für bodenbrütende Vögel und viele Schmetterlingsarten. Das Pflegekonzept der Biologischen Station — Beweidung, kontrolliertes Brennen im Winter, mechanische Entbuschung — ist auch unter diesem Blickwinkel zu verstehen: als Voraussetzung für den Fortbestand der dokumentierten Tierwelt. Die Methoden dieser Pflege sind ausführlich im Artikel Mit Feuer und Herden beschrieben. [4][5]
Weiterführende Beiträge
Weitere Beiträge werden vorbereitet
In diesem Themenfeld ist aktuell nur der Leitartikel vorhanden. Vertiefende Einzelbeiträge werden sukzessive ergänzt.
Häufige Fragen
Welche seltenen Tiere leben in der Drover Heide?
Die Drover Heide beherbergt über 130 Vogelarten, 10 Amphibienarten, 21 Libellenarten und 38 Tagfalterarten. Besonders bedeutsam sind der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), der Kammmolch (Triturus cristatus), die Kreuzkröte (Epidalea calamita) sowie Urzeitkrebse wie Sommer-Schildkrebs und Sommer-Feenkrebs.
Was ist der Ziegenmelker?
Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) ist ein nachtaktiver Zugvogel, der auf offenen Heideflächen mit Rohbodenanteilen brütet. Die Drover Heide beherbergt über 30 Brutpaare — eine der höchsten Bestandsdichten in NRW. Die Art steht auf der Roten Liste und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.
Woher kommen die vielen Tümpel in der Drover Heide?
Die mehr als 700 Tümpel und flachen Kleingewässer entstanden als Panzerspuren der belgischen Streitkräfte zwischen 1951 und 2004. Diese temporären Flachgewässer sind heute unersetzliche Laichhabitate für seltene Amphibien und Urzeitkrebse. Verlanden sie durch Schilf oder Weiden, stellt die Biologische Station Düren sie gezielt frei.