Geschichte

Geschichte der Drover Heide — Von der Vorzeit bis zur Gegenwart

Von der Vorzeit über Römerzeit und Mittelalter bis zur Gegenwart: die Geschichte der Drover Heide, ihrer Bodendenkmäler und der militärischen Nutzung.

11. Mai 2026 · Aktualisiert: 25. Mai 2026

Geologische Vorgeschichte

Noch vor jeder menschlichen Nutzung wurde der Raum der Drover Heide durch Bruchschollen, Sedimentablagerung, Terrassenbildung und Lössüberdeckung geformt. Die Lage am Übergang vom Eifelnordrand zur südlichen Niederrheinischen Bucht erklärt, warum trockene Rücken, wasserstauende Senken und nährstoffarme Standorte hier so eng beieinanderliegen. [4]

Mehr dazu: Geologie der Drover Heide: Wie Untergrund und Landschaft entstanden

Frühgeschichte und Vorzeit

Die Region rund um die Drover Heide ist ein uralter Siedlungsraum. Archäologische Bodenfunde in den Nachbarorten Drove und Kreuzau belegen eine Besiedlung bereits in vorrömischer Zeit, die sich durch Jungsteinzeit, Bronze- und Eisenzeit erstreckt. In der späten Eisenzeit gehörte das Gebiet zum Stammesgebiet der Eburonen, eines keltischen Volksverbandes, der durch Caesars Gallischen Krieg (54–51 v. Chr.) nahezu vollständig ausgelöscht wurde. [1][5]

Mehr dazu: Kelten und frühe Besiedlung rund um die Drover Heide

Römerzeit

Die Vernichtung der Eburonen öffnete das Rheinland für die intensive römische Erschließung. Im Gebiet der heutigen Drover Heide ist vor allem der Drover-Berg-Tunnel ein bedeutendes Zeugnis dieser Epoche — eine antike Wasserversorgungsanlage, die bis heute im Gelände nachweisbar ist. [1][2]

Der Drover-Berg-Tunnel gehört zu den überragenden ingenieurtechnischen Leistungen aus römischer Zeit. Eine Parallele ist im Rheinland nicht bekannt.

— Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, Bodendenkmäler in der Gemeinde Kreuzau

Mehr dazu: Römerzeit und Drover-Berg-Tunnel

Mittelalter und frühe Neuzeit

Nach dem Abzug der Römer übernahmen die Franken den Raum und schufen mit dem Jülichgau einen neuen Verwaltungsrahmen. Sichtbarstes Zeugnis des Hochmittelalters ist die Motte Drove, eine Turmhügelburg mit 40–45 Metern Hügeldurchmesser und einem bis zu 15 Meter breiten Graben, die als Stammburg der seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugten Herren von Drove diente und die Drover Heide als Vasallensitz im Herzogtum Jülich verankerte. Die Heide selbst blieb als nährstoffarme Fläche gemeinschaftliches Weideland (Allmende) und wurde so über Jahrhunderte von intensiver Bewirtschaftung verschont. [1][5]

Mehr dazu: Das Mittelalter in der Drover Heide — Franken, Motte Drove und die Herrschaft Jülich

Militärgeschichte (1914–2004)

Ab 1914 wurde das Gelände militärisch genutzt: zunächst von der deutschen Armee, nach 1945 von den belgischen Streitkräften im Rahmen der NATO. Die über neun Jahrzehnte andauernde Nutzung hinterließ eine bis heute wirksame Kampfmittelkontamination. Gleichzeitig verhinderte sie Bebauung und intensive Landwirtschaft und schuf durch Panzerspuren, offene Flächen und Kleingewässer Lebensraumstrukturen, die heute von europäisch bedeutsamen Arten besiedelt werden. [3]

Mehr dazu: Militärische Nutzung der Drover Heide

Die Drover Heide heute

Seit 2005 steht das Gelände als Naturschutzgebiet unter Schutz; seit 2016 gehört der Großteil der Fläche der NRW-Stiftung. Kontrollierte Winterbrände und Beweidung durch Schafe und Rinder halten die Heideflächen offen. [3][6]


Quellen & Nachweise

  1. Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege: Bodendenkmäler in der Gemeinde Kreuzau — Jahrbuch der Gemeinde Kreuzau

    Beschreibung der Bodendenkmäler Motte Drove, Drover-Berg-Tunnel und weiterer Anlagen im Gemeindegebiet Kreuzau

  2. Klaus Grewe und Petra Tutlies: Technisches Meisterwerk im Wanderparadies Drover Heide — Archäologie in Deutschland , 2010 , S. 68–69

    Beschreibung des Drover-Berg-Tunnels als längster antiker Tunnel nördlich der Alpen

  3. Biologische Station im Kreis Düren e.V.: Die Drover Heide – ein Kleinod vor der Haustür — Jahrbuch des Kreises Düren 2007 · ISBN 3-927312-77-0
  4. Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Das Rheinische Schiefergebirge und die Niederrheinische Bucht im Jungtertiär und Quartär — Fortschritte in der Geologie von Rheinland und Westfalen, Band 28 , 1978

    Grundlage für die geologischen Entstehungsprozesse: Bruchschollen, Sedimentablagerung, Terrassenbildung und Lössüberdeckung

  5. Die Siedlungsgeschichte im Bereich der Gemeinde Kreuzau

    Enthält Abschnitte zur keltischen Besiedlung (Eburonen) und ihrer Vernichtung durch Caesar (54–51 v. Chr.) sowie zur Nutzung von Gemeinschaftsflächen (Allmende) im Mittelalter

  6. NRW-Stiftung Nordrhein-Westfalen: Nationales Naturerbe Drover Heide — Jahresbericht 2019 , 2019

    Belegt den Übergang der Drover Heide an die NRW-Stiftung im Jahr 2016 und beschreibt das laufende Flächenmanagement durch Biologische Station Düren und Bundesforstbetrieb Rhein-Weser