Geschichte

Römerzeit in der Drover Heide

Etwa 400 Jahre lang war die Region Teil der Provinz Germania inferior. Das längste antike Tunnelbauwerk nördlich der Alpen liegt heute unter der Drover Heide.

12. Mai 2026 · Aktualisiert: 26. Mai 2026

Die Römerzeit ist in der Drover Heide nicht durch eine größere Siedlung überliefert, wohl aber durch ein außergewöhnliches Wasserbauwerk. Mit dem Drover-Berg-Tunnel und dem Quelltopf des Heiligen Pützes liegen zwei Bodendenkmäler vor, die zeigen, wie gezielt der Landschaftsraum bereits in der Antike genutzt wurde. Der heutige Eindruck einer offenen Heide- und Waldlandschaft überdeckt damit eine deutlich ältere technische Erschließung, die auf eine ländliche römische Infrastruktur im Raum Drove, Soller und Froitzheim verweist.

Das Rheinland in römischer Zeit

Vor den Römern: die Eburonen und ihre Nachbarn

Bevor Caesar seine Feldzüge in Gallien begann, war das fruchtbare Land der Kölner Bucht und der angrenzenden Zülpicher Börde Siedlungsgebiet der Eburonen. Bechert beschreibt sie als halbkeltisierte germanische Stämme, die man als Germani cisrhenani — Germanen diesseits des Rheins — zusammenfasste. Sie kontrollierten das fruchtbare Land der Kölner Bucht; östlich des Rheins saßen ihnen die Ubii und Sugambri gegenüber, südlich die Aduatuci. [13]

Die Drover Heide lag im Randbereich dieses Siedlungsgebiets. Die sandigen Böden des Höhenzuges eigneten sich weniger für den Ackerbau als die Lössböden der Börde; Quellen, Feuchtgebiete und Waldweide machten aber auch diesen Randraum nutzbar. Die Eburonen waren nach Caesars eigener Einschätzung einer der größten Stämme im nördlichen Gallien. [13]

Caesars Feldzüge (58–51 v. Chr.) und die Auslöschung eines Stammes

Mit Caesars Gallischen Kriegen veränderte sich die politische Landkarte des Rheinraums von Grund auf. Die Eburonen traf es am härtesten. Im Jahr 54 v. Chr. vernichtete ihr Anführer Ambiorix eine vollständige römische Legion bei Aduatuca — eine persönliche Demütigung für Caesar, die er nicht vergaß. Im folgenden Jahr, 53 v. Chr., ließ Caesar das Land niederBrennen: Dörfer und Felder wurden systematisch zerstört, die Menschen getötet oder vertrieben. Seine eigene Begründung war, dass er es für seine dignitas, seine Ehrenpflicht, hielt, das Land zu entvölkern und zu verwüsten, um Ambiorix jede Möglichkeit zu nehmen, je in seine Heimat zurückzukehren. Ambiorix selbst entkam. [13]

Bechert beschreibt das Vorgehen ohne Beschönigung: Man hat hier gegen ein ganzes Volk gehandelt, auch gegen Frauen und Kinder, mit einer Konsequenz, die in der antiken Kriegführung nicht die Ausnahme war, aber selten so dokumentiert ist. Der Stamm der Eburonen verschwand als eigenständige politische Einheit. Im Boden ist das kaum greifbar — Siedlungsbefunde der ausgehenden La-Tène-Zeit, also des 1. Jahrhunderts v. Chr., sind im Raum zwischen Rhein und Maas bisher nur selten angetroffen worden. Die Vernichtung war gründlich genug, um auch die materiellen Spuren weitgehend zu tilgen. [13]

Neuordnung unter Augustus: Ubier, Sunuci und Tungri

Nach Caesars Feldzügen blieb ein Machtvakuum auf dem linken Rheinufer, das die römische Verwaltung gezielt füllte. Agrippa, der erste römische Statthalter Galliens, siedelte den Stamm der Ubii von der rechten auf die linke Rheinseite um — genau dort, wo bis 53 v. Chr. die Eburonen gewohnt hatten. Aus der Civitas Ubiorum entstand mit dem Kaiserkultplatz der Ara Ubiorum der Kern dessen, was später zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) wurde. [13]

Gleichzeitig entstanden im linksrheinischen Raum neue Stammesformationen, die zum Teil aus den Überresten der alten zusammengesetzt wurden. Die Tungri, nach denen Tongeren (Atuatuca Tungrorum) benannt ist, umfassten nach Galsterer unter anderem Eburonenreste sowie die Überreste der Aduatuci. Der erste Augustus-Census von 12 v. Chr. in der Gallia Belgica erfasste diese neue Stammesordnung bereits als gesetzliche Grundlage für die Steuererhebung. [13][14]

Für das Gebiet westlich der Rur — und damit in unmittelbarer Nachbarschaft der späteren Drover Heide — beschreibt Galsterer die Sunuci als einen Stamm mit Schwerpunkt im Raum Aachen-Kornelimünster. Bei ihnen handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls um Eburonenreste, also um eine einheimisch-linksrheinische Gruppe, die unter dem neuen Namen weiterlebte. Bechert lokalisiert ihr Gebiet westlich der Rur und verweist auf eine Stammesgöttin namens Sunuxal, deren Kult in der Nähe von Aachen belegt ist. [13][14]

Tiberius siedelte zudem um 8 v. Chr. Teile der Sugambri — bis dahin östlich des Rheins — auf die linke Seite um. Aus einem Teil der Sugambri wurden die Cugerni, die ihren Hauptort später in Xanten (Colonia Ulpia Traiana) hatten. Wenige Jahrzehnte nach Caesar war der linke Rheinraum damit eine administrativ neu geordnete Region, in der die vorrömischen Stämme als eigenständige Einheiten nicht mehr existierten. [13]

Die Provinz Germania inferior

Um 83–90 n. Chr. erhielt das untere Rheingebiet formellen Provinzstatus als Germania inferior. Hauptstadt war die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), das politische und wirtschaftliche Zentrum der Region. Die Provinz reichte im Osten und Norden bis zum Rhein, im Süden bis zum Vinxtbach und dem Nordrand der Eifel, im Westen bis zur Maas. Ihr Territorium umfasste rund 20.000 km². [13][14]

Wirtschaftlich war die Provinz in deutlich unterschiedliche Zonen gegliedert. Im Südosten lagen die Mittelgebirge mit Erz- und Steinvorkommen. Die Lösszone zwischen Köln und Tongeren war seit langem intensiv agrarisch genutzt — Getreide, Viehhaltung und handwerkliche Verarbeitung griffen hier ineinander. Weiter nördlich domininierten Lehm- und Sandböden, auf denen vor allem Weidewirtschaft betrieben wurde. Die Drover Heide lag an der Grenze zwischen der fruchtbaren Lösszone und dem weniger ertragreichen Sandland — wirtschaftliche Randlage, aber kein unbewohnter Raum. [13]

Das Straßennetz: Via Belgica und Agrippastraße

Zwei Fernstraßen prägten den Raum zwischen Rur und Voreifel. Die Via Belgica verband Köln mit der atlantischen Küste über Jülich (Iuliacum), Heerlen, Tongeren, Bavai und schließlich Boulogne-sur-Mer. Sie nutzte den Rurübergang bei Jülich als zentralen Knotenpunkt. Die Agrippastraße führte von Köln nach Südwesten über Zülpich (Tolbiacum) nach Trier (Augusta Treverorum) und weiter ins Innere des Reiches. Beide Achsen gehörten zu einem planvoll angelegten Netz, das seit Agrippa systematisch ausgebaut wurde und die militärische Kontrolle des Landes ebenso ermöglichte wie den Warenverkehr zwischen den Städten und dem ländlichen Hinterland. [14][15]

Iuliacum — Vicus und Rurübergang

Iuliacum, das heutige Jülich, verdankte seine Bedeutung dem Übergang über die Rur. Wer von Köln nach Westen wollte, musste hier die Rur queren. Galsterer nennt Jülich einen weiteren wichtigen Flussübergang der Weststraße; die frühesten römischen Materialien aus dem Ort stammen aus dem sogenannten Halternhorizont und setzen damit erst rund zwanzig Jahre nach dem Beginn der augusteischen Zeit ein — später als in Tongeren, das schon unmittelbar nach 10 v. Chr. als Siedlung fassbar ist. [14]

Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein vicus, eine kleinere städtische Siedlung unterhalb des Kolonialstatus, mit Marktfunktion, Handwerk und der für Straßensiedlungen typischen Bebauung entlang der Durchgangsachse. In der Spätantike, im 4. Jahrhundert, wurde Jülich zu einem befestigten Rurübergang ausgebaut; archäologische Befunde belegen diesen Ausbau zu einem Kastellstandort. [14][15]

Die Verbindung zur Drover Heide ist auch hydrologisch greifbar: Der Ellebach entwässert den südöstlichen Teil des Höhenzuges in Richtung Rur bei Jülich — ein kleines Fließgewässer, das die Heide an das Gewässernetz der Rurniederung anbindet.

Tolbiacum — Straßenknoten und Thermen

Tolbiacum, das heutige Zülpich, lag rund neun Kilometer südöstlich der Drover Heide. Es war kein einfacher Durchgangsort: Straßen nach Köln, Trier, Reims und in Richtung Bavai liefen hier zusammen, was dem Ort eine Bedeutung als regionaler Markt- und Umschlagplatz gab. Archäologisch ist Zülpich durch römische Thermen bekannt, deren Reste auf einen entwickelten städtischen Alltag mit Infrastruktur für Hygiene und öffentliches Leben schließen lassen. In der Spätantike wurde der Ort zu einem Kastell ausgebaut; im Inschriftenmaterial dieser Zeit erscheint das zum Kastell ausgebaute Zülpich als einer der befestigten Stützpunkte westlich von Köln. [14]

Leben auf dem Land: villae rusticae und Wirtschaft

Die Lössböden der Zülpicher Börde gehörten zu den produktivsten Ackerlandschaften der Provinz. Ihre Bebauung durch villae rusticae — Gutshöfe mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und Arbeitersiedlung — prägte das ländliche Bild von Germania inferior. Das Herrenhaus (pars urbana) war in größeren Anlagen mit Steinböden, Wandmalereien und einem eigenen Badetrakt ausgestattet; der Wirtschaftsteil (pars rustica) enthielt Ställe, Speicher und Werkstätten. Bechert beschreibt die Lösszone zwischen Köln und Tongeren als seit langem intensiv agrarisch genutzte Landschaft, in der Ackerbau, Viehhaltung und handwerkliche Produktion zusammenwirkten. [13]

Für Vettweiß-Froitzheim, unmittelbar am Rand der Drover Heide, ist eine solche Villa archäologisch belegt. Grewe und Tutlies verweisen auf Lesefunde, die auf eine reich ausgestattete Anlage schließen lassen; in ihrer Analyse gilt dieser Gutshof als wahrscheinlichster Auftraggeber des Drover-Berg-Tunnels. Ein wohlhabender Gutsbesitzer, der eine leistungsstarke Quelle in sein Anwesen einbinden wollte, hätte das Kapital und die Motivation für ein derart aufwändiges Wasserbauwerk gehabt. [12]

Die Drover Heide selbst war in diese Wirtschaft eingebunden — nicht als Ackerfläche, sondern als Weide-, Waldnutzungs- und Wassereinzugsraum. Die Quelle des Heiligen Pützes war dabei keine isolierte Besonderheit, sondern Teil einer verbreiteten römischen Infrastrukturlogik: Wasser ist Grundlage jedes größeren Hofbetriebs, und wer eine ergiebige Quelle erreichen konnte, tat es. Der Drover-Berg-Tunnel ist der materielle Beleg dafür. [1][2][12]

Das Ende der Römerzeit

Das 4. Jahrhundert brachte keine plötzliche Wende, sondern eine schleichende Erosion der Provinzstrukturen. Die Grenzsicherung am Rhein wurde verstärkt — Jülich und Zülpich wurden zu Kastellorten ausgebaut —, was zeigt, dass die Provinz die eigene Verletzlichkeit kannte. Am 31. Dezember 406 überschritten vandalische, alanische und suebische Verbände den zugefrorenen Rhein. Die Grenze, die seit Augustus fast zwei Jahrhunderte gehalten hatte, hielt nicht mehr. [13][14]

Die Franken, die in den folgenden Jahrzehnten die Herrschaft übernahmen, waren seit Generationen Teil des militärischen Betriebs der Provinz und keine unbekannte Größe. Der Übergang war kein kultureller Bruch in jeder Hinsicht: Straßen blieben begehbar, Hofstellen wurden weiter bewirtschaftet, und lateinische Wörter wie puteus (Brunnen, Schacht) lebten im rheinischen Dialekt als Pütz weiter. Was verschwand, war die administrative Struktur — die Steuerlisten, die Garnisonen, die Provinzhauptstadt als institutionelle Realität. Im Boden blieben Tunnel, Straßen und Fundamente als Überlieferung bestehen. [1][12][13]

Ein römischer Landschaftsraum unter der heutigen Heide

Die Drover Heide selbst war kein Ort, an dem dauerhaft gebaut und gelebt wurde. Kein vicus, kein gesichertes Kastell, keine bekannte villa lag auf dem Höhenzug. Die sandigen Böden des Rückens zogen keine Siedlung an; die fruchtbaren Flächen lagen tiefer, auf den Lössbörden im Umland. Was der Boden trotzdem überliefert, ist ungewöhnlich: ein unterirdisches Wasserbauwerk, das im Aufwand seines Baus weit über normale ländliche Infrastruktur hinausgeht.

Archäologisch fassbar sind hier zwei Anlagen, die unmittelbar zusammengehören: die Quellfassung des Heiligen Pützes am Osthang und der Drover-Berg-Tunnel, der ihr Wasser auf die andere Seite des Rückens leitete. Die Gemeinde Kreuzau führt beide in ihrem Bodendenkmal-Verzeichnis als überregional bedeutende Zeugnisse der Römerzeit. [1] Der Ausgangspunkt des Systems war die Quelle.

Heiliger Pütz — Quelltopf und Namensherkunft

Am Anfang des Systems steht der Heilige Pütz, im rheinischen Dialekt auch Helje Pötz genannt. Es handelt sich um ein Quellbecken im Wald bei Drove unterhalb des Hangs der Drover Heide. Die Römer fassten die Quelle baulich ein und erhöhten ihren Rand. Noch heute ist diese Form im Gelände erkennbar. Die Quelle entwässert in den Thumbach, der auch Heiligenbach genannt wird.

Der Name ist sprachhistorisch aufschlussreich: Das rheinische Wort Pütz leitet sich vom lateinischen puteus (Brunnen, Quellschacht) ab — ein direktes Überbleibsel des Lateinischen im regionalen Dialekt, wie es im Rheinland vielfach belegt ist. [12]

Die Schüttmenge der Quelle wurde in einer älteren Messung mit rund 480.000 Litern pro Tag angegeben. Das Wasservolumen ermöglichte eine kontinuierliche Versorgung ohne großen Speicheraufwand — genau das darf als ausschlaggebender Grund für den Tunnelbau gelten. [1][12]

Kartenausschnitt · Schematische Darstellung

Tunnelverlauf unter der Drover Heide

Thumbach Drover Heide NSG Drove Soller Heiliger Pütz Quelltopf · ~480.000 l/Tag römische Tunneltrasse (1.660 m) K 28 N 500 m

nach: Klaus Grewe / Konejung Stiftung · Kartendaten: OpenStreetMap (ODbL)

Der Drover-Berg-Tunnel als Ingenieurleistung

Der Drover-Berg-Tunnel gilt mit einer Länge von 1.660 Metern als das längste antike Tunnelbauwerk nördlich der Alpen. Mehrere Quellen beschreiben, dass der Stollen Wasser von der Quelle bei Drove unter der Drover Heide hindurch auf die andere Seite der Scholle leitete. Die größte Tiefe lag an der höchsten Stelle des Höhenzuges bei rund 26 Metern. Für die Bauausführung wurden in kurzen Abständen senkrechte Schächte angelegt, damit von mehreren Punkten gleichzeitig vorgetrieben werden konnte. Der Abstand dieser Schächte wird in den fachlichen und lokalen Darstellungen mit etwa 12 bis 15 Metern in den Hanglagen und 17 bis 26 Metern auf der Höhe der Drover Heide angegeben.

Von diesen Schächten ist an der Oberfläche bis heute etwas zu erkennen. Weil sie nach dem Bau wieder verfüllt wurden und die Füllung später nachsackte, markieren trichterartige Vertiefungen den Verlauf der Leitung. Der Tunnel ist daher kein unsichtbares Denkmal, das nur in Grabungsberichten existiert. Sein Verlauf lässt sich in Teilen noch im Gelände nachvollziehen. Gerade diese Lesbarkeit in der Landschaft erklärt, warum der Tunnel in regionalen Fachbeiträgen immer wieder als außergewöhnliches technisches Denkmal hervorgehoben wird.

Die genaue Datierung wird meist vorsichtig formuliert. Sicher ist die Einordnung in die Römerzeit. Eine engere Datierung in die Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus erscheint in mehreren Darstellungen plausibel, sollte aber als wahrscheinliche und nicht als absolut gesicherte Jahresangabe gelesen werden.

Die erste systematische wissenschaftliche Erforschung des Tunnels geht auf Prof. Dr. Klaus Grewe zurück. 1982 untersuchte der Archäologe des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege den Stollen mit seinem Team eingehend und legte damit die Grundlage für das heute verfügbare Wissen über Verlauf, Abmessungen und Baudaten. Grewe gilt als international anerkannter Fachmann für antiken Tunnelbau und hat den Drover-Berg-Tunnel in seinen Arbeiten mehrfach als herausragendes Beispiel römischer Ingenieurkunst nördlich der Alpen hervorgehoben. [1][2][3][4][8][11][12] Gemeinsam mit der Konejung-Stiftung entwickelte er 2009 einen Multimedia-Wanderweg mit sechs Stationen entlang des Tunnelverlaufs, der Besucherinnen und Besuchern die Baugeschichte vor Ort vermittelt – begleitet von Videoführungen mit Grewe selbst als Erklärer. [1][2][3][4][8][11]

Wohin das Wasser führte

Beim Ziel der Leitung ist Zurückhaltung nötig. Die Quellen stimmen darin überein, dass das Wasser in einen Versorgungsraum westlich des Tunnels geleitet wurde. Besonders häufig wird Soller genannt. Klaus Grewe nennt als weitere Möglichkeit die villa rustica in Vettweiß-Froitzheim, die unmittelbar an der Drover Heide liegt — vielleicht, so Grewe, war es ihr Besitzer, der den Bau in Auftrag gegeben hat. [12] Mehrere Darstellungen halten es für wahrscheinlich, dass eine villa rustica oder ein römischer Nutzungsraum in dieser Richtung versorgt werden sollte. Genau dieses Ziel ist jedoch archäologisch weniger sicher belegt als der Tunnel selbst.

Der Tunnel diente sehr wahrscheinlich der Versorgung eines römischen Gutshofes oder eines ländlichen Nutzungsraums in Richtung Soller. Diese Einordnung passt auch zu dem größeren römischen Landschaftsbild, das der LVR für die Region beschreibt. Die Drover Heide lag damit nicht abseits der antiken Nutzung, sondern an einem Ort, an dem technische Infrastruktur und landwirtschaftliche Organisation ineinandergreifen. [1][2][3][10][11]

Was von der Römerzeit heute bleibt

Die römischen Spuren liegen heute in einem Schutzgebiet, das naturschutzfachlich aus ganz anderen Gründen bedeutsam ist. Das Naturschutzgebiet Drover Heide besteht seit 2005, ist Teil von Natura 2000 und wird von der Biologischen Station Düren betreut. Dadurch treffen in derselben Landschaft zwei Ebenen aufeinander: ein wertvoller Naturraum der Gegenwart und ein archäologischer Befund der Antike. Der Drover-Berg-Tunnel ist deshalb nicht nur ein Objekt der Forschung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie historische Tiefenschichten in einer modernen Schutzlandschaft fortleben.

Für den Besuch vor Ort gilt allerdings eine klare Einschränkung:

Gerade bei einem Thema wie dem Drover-Berg-Tunnel ist dieser Hinweis wesentlich, weil die Versuchung groß sein kann, Geländespuren abseits der Wege zu suchen.

Rund 400 Jahre war die Drover Heide Teil einer dicht genutzten Provinzlandschaft aus Gutshöfen, Fernstraßen und Wasseranlagen. Von der sichtbaren Infrastruktur jener Zeit ist an der Oberfläche wenig erhalten geblieben — Straßen wurden überwachsen, Gutshöfe eingeebnet. Im Boden aber blieb der Tunnel erhalten, und die nachgesackten Schachtfüllungen zeichnen seinen Verlauf noch heute ins Gelände. Diese antike Schicht gehört damit ebenso zur Geschichte der Drover Heide wie die späteren Phasen von Waldweide, Militärnutzung und Naturschutz. [5][6][7]